In diesem Gastbeitrag berichtet Hermann DL6BCX von seinen Erlebnissen mit FreeDV und seinem Betrieb mit dem Yaesu FTdx10. Von den ersten Schwierigkeiten bis zu rund 100 QSOs auf Kurzwelle war einiges an Kaffee und Fußaufstampfen nötig.
Digitale Betriebsarten haben mich stets fasziniert, und ich habe auch schon vieles ausprobiert. Hier berichte ich, wie es mir persönlich mit FreeDV gegangen ist.
Es ist nun einmal so, dass diese Dinge durch Weiterentwicklungen der Mode unterworfen sind, abgesehen vom klassischen CW und RTTY. So hatte ich schon netten Damenbesuch von Olivia und Contesta, und auch der Wimmerfunk FT8 hatte bei mir sein Heim. Aber irgendwann verließen sie alle wieder mein Haus, und ein neues Haustier musste her.
Schon 2020 hatte ich einen kleinen Welpen vor der Haustür gefunden. Er hieß FreeDV, wollte aber nicht so richtig wachsen. Eine richtige Katastrophe: Die Community war winzig, Linux-Freaks mit einem Hang zur Selbstgeißelung, kompliziert und absolut nicht massentauglich. Ein kümmerliches Wesen!
Es gab einen einzigen Transceiver, den Ailunce HS1, an dem es nicht nur für CW und SSB, sondern auch für FreeDV eine Schalterstellung gab. Das konnte sich aber bei anderen Marken nicht durchsetzen, weil es das Prinzip der Weiterentwicklung nicht beinhaltete. So wird auch heute und in naher Zukunft FreeDV anders ausgeübt.
FreeDV, ganz einfach und schön falsch erklärt
Ganz, ganz einfach und schön falsch ausgedrückt ist FreeDV digitaler SSB-Sprechfunk. Da, wo SSB geht, geht auch FreeDV. Somit geht es auf Kurzwelle als auch auf UHF und VHF.
Man spricht breitbandig ins Mikrofon, auf der Strecke wird dann auf ca. 1500 Hz verschmälert, und beim Empfänger kommt es wieder breitbandig an. Frequenz-ökonomie lässt grüßen.
In diesem Bericht spreche ich nicht die dahinterstehende Technik an, sondern, siehe Überschrift, wie es mir persönlich damit gegangen ist.
Der kleine Welpe fängt an zu bellen
2023 kam für mich dann Bewegung in die Sache. Der kleine Welpe fing an zu bellen und schrie nach Updates. Sowohl er als auch die Community wuchsen, und ich beschloss, zumindest den Empfang zu wagen.
Dazu nutzte ich einen alten Linux-Rechner, zwölf Jahre alt, aber noch gut in Farbe, und lud mir die Software von der Seite freedv.org herunter. Diese Seite ist ein Füllhorn an Informationen über FreeDV. Die Software gibt es für Linux, Apple und auch für das von mir ungeliebte Windows.
Die Grunddaten waren leicht einzutragen, und nun sollte irgendwie alles verbunden werden. Ich habe einen Yaesu FTdx10 und habe den mit einem USB-Kabel an meinen Laptop angeschlossen. Der Transceiver muss eine eingebaute Soundkarte haben, sonst wird das nichts. Aber trotzdem wollte das Programm nicht laufen.
Es ist wichtig, am PC die richtige Soundkartenauswahl zu treffen. Das dauerte bei mir fast zwei Stunden. Irgendwann lief der Empfang: quietschig, wesentlich schlechter als DMR. Der Fehler lag im nicht ausreichend leistungsfähigen Laptop.
Dann wollte ich senden und stellte fest, dass ich dazu eine zweite Soundkarte brauche. Die hatte ich aber nicht. Bis mir das Prinzip der USB-Headsets einfiel, denn in jedem Headset mit USB-Anschluss ist ja eine Soundkarte verbaut. Also habe ich aus der Grabbelkiste ein Headset für zehn Euro gekauft. Und das Ding ging auf Sendung! Juhu, dachte ich, alles fein. Dazu später.
Der FTdx10 wählt automatisch seine richtigen Einstellungen aus. Man kann sie natürlich händisch verändern.
Meine Einstellungen am FTdx10 und im Programm
FTdx10 einschalten, Betriebsart und so weiter erst einmal egal. Die Leistung stelle ich auf maximal ca. 50 Watt, weil es Dauerstrichleistung ist und man den Transceiver nicht überfordern darf.
Dann das Programm FreeDV am PC starten. Unter Tools → Easy Setup die Daten eintragen: PC und TRX beide auf 38400, PTT uses CAT und weitere Daten nach Lage.

Danach unter Tools → Audio Config die Audiogeräte auswählen. Das hier sind meine Daten, die Gerätenamen sind gekürzt:
| Bereich | Einstellung | Meine Auswahl |
|---|---|---|
| RX | Input to Computer from Radio | alsa input USB BurrBrown |
| RX | Output from Computer to Speaker/headphone | alsa output USB logitech USB headset |
| TX | Input from Microphone to Computer | alsa input pci 0000 |
| TX | Output from Computer to Radio | alsa output USB BurrBrown |
Dann Anwenden und das Programm über File → Exit schließen.
Das Programm neu starten und prüfen, ob die Soundkarteneinstellungen behalten wurden. Falls nicht, erneut eingeben.
Lauschen, CQ rufen und den Reporter nutzen
Den Knopf Start Modem drücken und lauschen. Die Frequenzen können frei gewählt werden, also nicht starr wie zum Beispiel bei FT8. Vorzugsfrequenzen sind eingestellt. Gängig sind 7.177 kHz und 14.236 kHz.
Hat man bei den Einstellungen auch den Haken bei FreeDV Reporter gesetzt, kann man sehen, wer gerade wo auf welcher Frequenz arbeitet. Das verlangt eine Internetverbindung und ist mehr als hilfreich.

Ich habe dann gelauscht und auf einen CQ-Ruf geantwortet. Die Verbindung kam zustande, aber die ersten Reaktionen waren ungefähr so: „Wieso hast du Helium im Mund? Bist du ein Mann oder eine Frau? Warum sprichst du in einen Eimer hinein? Und außerdem bist du völlig übermoduliert.“
Diese Unzulänglichkeiten ließen sich aber recht zügig beheben. Einstellungssache.

Feintuning und Fortschritte bei den Updates
Einige QSOs kamen zustande, und ich machte mich an das Feintuning. Dann führte ich auch ein Update durch. Neustart, alle Einstellungen weg. Hä? Was ist das denn?
Ich hatte mir aber alle Einstellungen mit dem Smartphone abfotografiert. Danach ging es wieder.
Ende 2025 war es dann so weit, dass auch nach einem Update alle Einstellungen erhalten blieben. Die Entwickler schafften noch einige Sprünge, und die Gesprächsqualität wird immer besser. Die Handhabung, Updates und das Drumherum wurden Anfang 2026 so gut, dass ich FreeDV seit Juni 2026 für massentauglich halte.

Papier-QSL-Karten und das RSQ-System
Die Papier-QSL-Karten-Moral ist erstaunlich hoch. Für alle ist es Neuland, und sie lassen sich das QSO gerne bestätigen.
Das Ausfüllen einer QSL-Karte ist etwas anders. Bei analogen Betriebsarten trägt man nach dem RST-System ein. Man könnte natürlich wie bei FT8 eine Krücke nutzen und R freilassen, bei S den SNR eintragen und T dann wieder freilassen. Alles wenig aussagekräftig. Deshalb bei „analog“ das RST-System benutzen und bei „digital“ das RSQ-System nutzen.
Ich nutze immer RSQ, und bei den ankommenden Karten sind inzwischen knapp 20 Prozent auch mit RSQ.
Bei Digital war ich häufig eher die Null als die Eins
Bisher habe ich ungefähr 100 QSOs auf Kurzwelle gefahren, leider noch keines im 2 m-Band. Da hapert es noch an meiner Technik. Ich werde mich weiterhin mit dem Thema befassen, und spannende Entwicklungen zeichnen sich ab.
Probiert es einfach! Wenn es sofort klappt, seid ihr besser als ich. Bis zum Funktionieren hat es eine Unmenge an Kaffee und Fußaufstampfen gefordert. Häufig war ich bei Digital eher die Null als die Eins.

Das Team DL-Nordwest bedankt sich bei Hermann DL6BCX für den interessanten Gastbeitrag.
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