Wohin mit dem ganzen Zeug? Ordnung im Shack mit 3D-Druck

Werkzeuge, Kabel, Adapter, Bauteile – im Shack sammelt sich über die Jahre so einiges an. Mit Pegboards, MultiBuild und Gridfinity bietet die 3D-Druck-Community interessante Lösungen, um den vorhandenen Platz besser zu nutzen und endlich etwas Ordnung ins Chaos zu bringen.

Wir Funkamateure gehören ja bekanntlich zur Spezies der Jäger und Sammler. Es gibt schließlich nichts, was man nicht irgendwann noch einmal für irgendein Projekt gebrauchen könnte. Aber selbst wenn man, wie die meisten von uns 😉, in einem Palast wohnt, geht einem irgendwann der Platz aus. Und mit zunehmender Sammlung findet man oft auch nichts mehr wieder, obwohl man sich ganz sicher ist, dass man es irgendwo hat.

Was also tun? Mal etwas verkaufen oder gar etwas wegschmeißen? Ja, das Wort „wegschmeißen“ musste ich selbst auch erst einmal im Duden nachschlagen. Nein, kommt natürlich überhaupt nicht infrage!

Aber mal im Ernst: Ich lebe in Singapur, habe neben dem Amateurfunk noch andere Hobbys und bastle gerne. Platz ist hier, wie so ziemlich alles andere, leider sehr teuer und damit stark begrenzt. In der 3D-Druck-Community bin ich deshalb auf einige interessante Projekte und Systeme aufmerksam geworden, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Übersichtliche und platzsparende Organisation an der Wand

An sogenannten Lochplatten lassen sich Werkzeuge, Zubehör oder beispielsweise auch Funktechnik mithilfe von Haken und Halterungen flexibel befestigen. Die Löcher beziehungsweise Aufnahmen befinden sich dabei in einem festen Raster, sodass sich die einzelnen Halterungen jederzeit neu anordnen lassen.

Für die Kombination mit dem 3D-Druck sind insbesondere zwei Systeme interessant: MultiBuild und klassische Pegboards.

MultiBuild mit MultiBoard

Eine vollständig aus dem 3D-Drucker stammende Alternative zu klassischen Pegboards ist MultiBoard. Mittlerweile ist MultiBoard Teil des größeren MultiBuild-Systems, das verschiedene miteinander kompatible Ordnungssysteme unter einem gemeinsamen 25-mm-Raster zusammenfasst. Dazu gehören neben MultiBoard beispielsweise auch MultiBin für Behälter und Schubladen.

MultiBoard selbst ist dabei weiterhin das System für die eigentlichen Lochplatten. Diese werden vollständig im 3D-Druckverfahren hergestellt und verfügen über unterschiedliche Aufnahmen für die Befestigung von Haken, Halterungen, Ablagen und anderem Zubehör. Neben den speziellen MultiBoard-Verbindungen können auch verschiedene klassische Pegboard-Halterungen verwendet werden.

Ein großer Vorteil ist die enorme Flexibilität. Die Platten können beispielsweise an einer Wand befestigt, freistehend aufgestellt oder sogar zum Bau dreidimensionaler Strukturen verwendet werden. Durch das einheitliche Raster lassen sich die verschiedenen Komponenten des MultiBuild-Systems miteinander kombinieren. So können beispielsweise MultiBin-Behälter direkt an einem MultiBoard befestigt werden.

Für den Einstieg stellt MultiBuild eine umfangreiche Teilebibliothek zur Verfügung. Die einzelnen funktionalen Komponenten können kostenlos heruntergeladen werden. Zusätzlich gibt es einen Planner sowie zahlreiche von der Community erstellte Modelle. Einige Komfortfunktionen wie bestimmte Generatoren oder vorkonfigurierte Packs sind dagegen Mitgliedern vorbehalten.

Man kann das System daher auch ohne umfangreiche eigene CAD-Kenntnisse nutzen und später bei Bedarf immer weiter an die eigenen Anforderungen anpassen.

Weitere Informationen findet ihr unter: multibuild.io

Screenshot von multibuild.io

MultiBuild-Webseite mit den verschiedenen Ordnungssystemen

Pegboards

Im Gegensatz zum MultiBoard werden bei der Verwendung klassischer Pegboards in der Regel nur die benötigten Halterungen im 3D-Druckverfahren hergestellt. Und selbst das ist nicht zwingend notwendig, denn im Fachhandel gibt es bereits zahlreiche fertige Halterungen, beispielsweise für Werkzeuge.

Die Lochplatten selbst findet man unter anderem im Baumarkt, entweder mit runden Löchern oder mit Schlitzen. Ich habe mich für Letzteres und für das System von IKEA entschieden. Die Pegboards mit dem Namen SKÅDIS gibt es in verschiedenen Größen und Farben.

Lötarbeitsplatz mit Pegboards an drei Seiten – alles griffbereit und platzsparend organisiert

Einen großen Vorteil des IKEA-Systems sehe ich darin, dass es weltweit sehr viele Nutzer gibt. Entsprechend groß ist die Auswahl an bereits fertigen 3D-Modellen, Halterungen und Generatoren, die man im Internet findet.

Generell habe ich Pegboards gegenüber MultiBoard den Vorzug gegeben, da ich relativ große Flächen damit bestücken wollte. Stundenlang Lochplatten zu drucken und dafür kiloweise Filament zu verbrauchen, erschien mir wenig sinnvoll. Außerdem wollte ich vermeiden, am Ende eine komplette Wand mit Kunststoffplatten zu verkleiden.

Bei mir kam noch eine weitere Herausforderung hinzu: Da ich zur Miete wohne, kann und möchte ich nicht einfach überall Löcher in die Wände bohren. Also musste auch für die Befestigung der Pegboards eine andere Lösung her.

Genau hier spielt der 3D-Druck seine Stärken aus. Für die Seitenflächen meines IKEA-IVAR-Regalsystems habe ich eigene Halterungen konstruiert und ausgedruckt, an denen sich die SKÅDIS-Platten befestigen lassen. Eine ähnliche Lösung habe ich für die Schiebetür meines Kleiderschranks umgesetzt. So werden Flächen genutzt, die ansonsten weitgehend ungenutzt bleiben würden, und das ganz ohne zusätzliche Bohrlöcher in den Wänden.

Ungenutzte Flächen sinnvoll genutzt: Pegboards an Regalseite und Schiebetür

Ein weiterer Vorteil von IKEA SKÅDIS zeigt sich, wenn man doch einmal eine Halterung komplett selbst konstruieren möchte: Im einfachsten Fall muss man lediglich die passenden Haken an das eigene Modell anfügen. Beim MultiBoard muss dagegen die entsprechende hexagonale Aufnahme beziehungsweise Befestigung berücksichtigt werden.

Organisation in Schubladen mit Gridfinity

Auch für die bessere Organisation von Schubladen hat die 3D-Druck-Community eine passende Lösung: Gridfinity.

Gridfinity ist ein modulares Ordnungssystem, bei dem Behälter und Halterungen auf einem standardisierten Raster angeordnet und flexibel miteinander kombiniert werden können. Viele Behälter lassen sich zudem stapeln.

Das Prinzip ist einfach: Zunächst misst man die vorhandene Fläche, beispielsweise die Schublade eines Werkzeugwagens. Anschließend erstellt und druckt man den passenden Rasterboden. Darauf können dann einzelne Behälter platziert werden.

Auch hierfür gibt es zahlreiche Generatoren im Internet, sodass nicht zwangsläufig eigene CAD-Kenntnisse erforderlich sind. Für einen noch sichereren Halt können sowohl der Rasterboden als auch die einzelnen Behälter zusätzlich mit Magneten ausgestattet werden.

Wie schon bei den Pegboards liegt ein großer Vorteil im festen Raster und damit in der Modularität. Einzelne Behälter lassen sich jederzeit herausnehmen, umsortieren, austauschen oder durch neue ergänzen. Ändert sich der Inhalt einer Schublade, muss also nicht gleich das komplette Ordnungssystem neu aufgebaut werden.

Gridfinity im Einsatz: Schrumpfschläuche und Heat-Set-Inserts übersichtlich in der Schublade organisiert

Weitere Informationen zu Gridfinity findet ihr hier: gridfinity.xyz

Screenshot von gridfinity.xyz

Gridfinity-Webseite mit Informationen rund um das modulare Ordnungssystem

Fazit

Auch wenn ich noch lange nicht alles sortiert und an meine Wand- beziehungsweise Schrankflächen oder in meine Schubladen gebracht habe, ist mein Shack bereits deutlich aufgeräumter und organisierter als vorher.

Durch die Kombination von Pegboards und Gridfinity konnte ich den vorhandenen Platz noch besser nutzen: Werkzeuge werden an der Wand aufgehängt, Verbrauchsmaterialien und Kleinteile kommen in entsprechende Behälter in den Schubladen. Man hat vieles direkt im Blick und das Suchen erübrigt sich meistens.

Ein weiterer Vorteil ist, dass sich beide Systeme praktisch beliebig erweitern lassen. Durch den modularen Aufbau können neue Dinge einfach hinzugefügt, vorhandene umplatziert und Halterungen bei Bedarf an neue Anforderungen angepasst werden.

Aber jetzt würde uns interessieren: Wie organisiert ihr euer Shack? Nutzt ihr vielleicht selbst Pegboards, MultiBuild oder Gridfinity, oder kennt ihr noch andere interessante Systeme?

Schreibt uns, welche Lösungen sich bei euch im Shack bewährt haben und zeigt uns gerne auch eure eigenen Ideen und Konstruktionen in den Kommentare unter diesem Beitrag oder diskutiert sie mit uns in unserer Telegram- oder WhatsApp-Gruppe.

Team DL-Nordwest, Stephan 9V1LH/DG1BGS


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