Beim Open-Source-Handfunkgerät LinHT hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan. Neue Hardware, erfolgreiche Tests und einige unerwartete Herausforderungen zeigen, wie spannend die Entwicklung eines vollständig offenen Funkgeräts sein kann.
Seit unserem letzten Update vom November 2025 ist beim LinHT-Projekt einiges passiert. Das Entwicklerteam rund um Vlastimil OK5VAS, Andreas OE3ANC und Wojciech SP5WWP hat intensiv an der Hard- und Software gearbeitet. Inzwischen wurden neue Platinen gefertigt, zahlreiche Funktionen getestet und bereits die nächste Hardware-Generation vorbereitet.
Wir haben die wichtigsten Entwicklungen seit unserem letzten Beitrag für euch zusammengefasst.
Revision B – Ein großer Schritt nach vorne
Bereits in unserem letzten Update hatten wir über die geplante Hardware-Revision B berichtet. Ende Februar 2026 war es dann so weit: Die ersten drei vollständig in Tschechien gefertigten und bestückten Platinen waren fertig und konnten getestet werden.

Gegenüber der ersten Version bringt Revision B einige Verbesserungen mit:
- Eine integrierte HF-Endstufe mit einer angestrebten Ausgangsleistung von etwa 5 Watt
- Einen verbesserten Empfänger mit einstellbarer Eingangsdämpfung
- Eine überarbeitete Stromversorgung
- Die Möglichkeit, den Akku direkt über USB-C zu laden
- Einen integrierten GNSS-Empfänger zur Positionsbestimmung
Auch weiterhin ist LinHT dafür vorgesehen, das Gehäuse und verschiedene Komponenten eines Retevis C62 zu verwenden.
Erste Tests – Vieles funktioniert bereits
Anfang März folgte der nächste wichtige Meilenstein. Die neue Hardware ließ sich erfolgreich einschalten, die Stromversorgung funktionierte und auch das Laden des Akkus über USB-C konnte bestätigt werden.
Wenig später gelang es dem Entwicklerteam, Linux auf der neuen Hardware zu starten. Damit war eine wichtige Grundlage für die weiteren Tests geschaffen.
Im Mai berichtete Andreas OE3ANC über weitere Fortschritte. Unter anderem funktionierten bereits die Umschaltung zwischen Sende- und Empfangsbetrieb sowie die einstellbare Eingangsdämpfung des Empfängers.
Auch die integrierte HF-Endstufe wurde validiert: Bei den Tests wurden rund 4,5 Watt Ausgangsleistung erreicht. Das zeigt, dass die neue Hardware grundsätzlich funktioniert.

Mehr als nur M17 – OpenWebRX auf dem Handfunkgerät
LinHT ist nicht ausschließlich auf den Betrieb mit M17 beschränkt. So gelang es Vlastimil OK5VAS bereits im Dezember 2025, OpenWebRX auf dem LinHT auszuführen. Möglich wurde dies durch einen eigens entwickelten Treiber, der die Empfangsdaten der Funkhardware für andere Anwendungen zugänglich macht.
Damit konnte das Gerät nicht nur M17-Signale verarbeiten, sondern beispielsweise auch APRS-Signale erfolgreich dekodieren.

Das zeigt sehr schön, welchen Vorteil das offene Konzept bietet. Während bei herkömmlichen Funkgeräten die Funktionen weitgehend durch die Firmware des Herstellers vorgegeben werden, lassen sich beim LinHT zusätzliche Anwendungen und Betriebsarten durch entsprechende Software realisieren.
Ob und welche dieser Möglichkeiten später tatsächlich in einer komfortabel bedienbaren Version zur Verfügung stehen werden, bleibt natürlich abzuwarten.
Auch die Software entwickelt sich weiter
Parallel zur Hardware wurde kontinuierlich an der Software gearbeitet. Im Februar hat Andreas OE3ANC ein neues Image des Yocto Linux auf die Rev.A Hardware aufgespielt.
Auch die Benutzeroberfläche und die Verarbeitung der digitalen Funksignale wurden weiterentwickelt.

Anders als bei einem klassischen Handfunkgerät übernimmt beim LinHT ein Linux-System einen großen Teil der Signalverarbeitung. Das bietet viele Möglichkeiten, benötigt aber auch entsprechend viel Rechenleistung.
Bereits im Februar wurde deshalb unter anderem die Empfangsstabilität und Akkulaufzeit der ersten Hardware-Revision untersucht. Solche Tests sind wichtig, denn schließlich soll ein Handfunkgerät nicht nur auf dem Labortisch funktionieren, sondern möglichst auch im portablen Betrieb überzeugen.
Nicht alles lief nach Plan – Revision C wird notwendig
Die Entwicklung neuer Hardware ist ein kontinuierlicher Lernprozess. Auch beim LinHT zeigte sich während der umfangreichen Tests, dass einige Bereiche der Revision B noch überarbeitet werden müssen.
So bereitete beispielsweise der integrierte GNSS-Empfänger Probleme. Trotz längerer Tests im Freien gelang es zunächst nicht, eine gültigen Satellitenfix zu erhalten. Die Untersuchungen deuten auf den HF-Pfad zwischen dem GNSS-Modul und der Antenne hin.

Auch bei der Audio-Hardware und weiteren Komponenten wurden Probleme festgestellt, die sich nicht alle allein durch Softwareänderungen beheben lassen.
Das Entwicklerteam entschied deshalb, eine weitere Hardware-Revision vorzubereiten.
In einem ausführlichen Statusbericht vom Juni 2026 dokumentierte Vlastimil OK5VAS, welche Funktionen bereits erfolgreich getestet wurden, wo noch Schwierigkeiten bestehen und welche Änderungen für Revision C vorgesehen sind.
September 2026 – Die Platinen der Revision C sind da!
Am 30. September 2026 meldete das M17-Projekt, dass die neuen Platinen der Revision C eingetroffen sind. Einige Bauteile fehlten zu diesem Zeitpunkt allerdings noch, sodass die Bestückung erst nach deren Eintreffen fortgesetzt werden kann.

Mittlerweile liegen auch die ersten teilbestückten Platinen der Revision C vor, die nun auf ihre ersten Funktionstests warten.

Parallel dazu wurde auch an Codec2 gearbeitet, dem offenen Sprachcodec, der unter anderem bei M17 zum Einsatz kommt. Hier konnten weitere Optimierungen vorgenommen werden, insbesondere im Hinblick auf den Speicherbedarf und die Signalverarbeitung.
Es geht also sowohl bei der Hardware als auch bei der Software weiter voran.
Wo findet ihr weitere Informationen?
Wer die Entwicklung des LinHT-Projekts selbst verfolgen oder tiefer in die Technik einsteigen möchte, findet hier die wichtigsten offiziellen Anlaufstellen:
- M17-Projekt – Blog: Aktuelle Meldungen und Entwicklungsberichte.
- LinHT-Hardwaredokumentation: Schaltpläne, Hardwareinformationen und Unterlagen zur Fertigung.
- M17-Wiki – LinHT: Technische Dokumentation und Anleitungen.
- LinHT auf GitHub: Öffentlich zugängliche Entwicklungsdateien der Hardware.
Fazit
Seit unserem letzten Bericht hat das LinHT-Projekt weitere Fortschritte gemacht. Mit Revision B konnten wichtige Funktionen erfolgreich getestet werden. Gleichzeitig haben die Entwickler wertvolle Erkenntnisse gewonnen, die nun in die nächste Hardware-Generation einfließen.
Natürlich ist LinHT weiterhin ein Entwicklungsprojekt und noch weit von einem fertigen Handfunkgerät für den alltäglichen Einsatz entfernt. Trotzdem halten wir das Konzept nach wie vor für äußerst interessant. Ein leistungsfähiges Handfunkgerät, dessen Hard- und Software offen zugänglich sind und das sich nicht auf die vom Hersteller vorgesehenen Betriebsarten beschränkt, bietet gerade für den experimentellen Amateurfunk spannende Möglichkeiten.
Wir werden die Entwicklung auf DL-Nordwest jedenfalls weiterhin verfolgen und darüber berichten.
Was haltet ihr von den bisherigen Fortschritten, und welche Funktionen würdet ihr euch von einem solchen offenen Handfunkgerät wünschen? Schreibt eure Erfahrungen gerne in die Kommentare unter diesem Beitrag oder diskutiert sie mit uns in unserer Telegram- oder WhatsApp-Gruppe.