DL-Nordwest im Wandel: Ein Blick hinter die Kulissen

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die technische Entwicklung von DL-Nordwest, von den ersten Versuchen mit einem YSF-Reflektor bis zur heutigen Server-Infrastruktur.

Wie alles begann

Im Oktober 2017 wurde der YSF-Reflektor DE DL-Nordwest (54919) registriert und zunächst testweise auf einem privaten x86-Desktop-PC in Norddeich bei Stephan DG1BGS installiert. Die ersten Versuche verliefen vielversprechend, sodass der Betrieb schon bald auf einen Raspberry Pi umgestellt wurde. Damit zog der Reflektor auch zu Bernd DK5BS nach Rhauderfehn, und wurde dort dauerhaft im Self-Hosting betrieben.

YSF #54919 im Self-Hosting, DK5BS 2020

Nach dem Umzug von Stephan DG1BGS bzw. ab da 9V1LH, nach Singapur begannen 2018 die ersten Versuche mit dem Multiprotokoll Reflektor-Server XLX421, einschließlich der Transcoder-Funktion.

Erstes Cross-Mode-QSO über XLX421 zwischen 9V1LH (D-STAR) und DK5BS (DMR), August 2018

Auch hier kam zunächst ein Raspberry Pi zum Einsatz. Damit begann der schrittweise Aufbau einer Infrastruktur, die über mehrere Jahre an unterschiedlichen Standorten in Deutschland und Singapur betrieben wurde.

Kleine Rechner, große Aufgaben

YSF-Reflektor: Der Anfang auf dem Raspberry Pi

Der YSF-Reflektor bildete den Ausgangspunkt unserer Infrastruktur. 2020 lief er zusammen mit dem Dashboard von DG9VH auf einem Raspberry Pi 3B+ unter Raspbian Buster. Als Software kam der YSF-Reflektor von G4KLX zum Einsatz.

Die kompakte und stromsparende Hardware erwies sich zunächst als praktische Lösung für den dauerhaften Betrieb.

XLX421: Mehr Betriebsarten dank Transcoding

Mit dem XLX421 kamen weitere Möglichkeiten hinzu. 2018 begann der Betrieb auf einem Raspberry Pi 3B+, der 2020 durch einen leistungsfähigeren Raspberry Pi 4 Model B mit 4 GB RAM ersetzt wurde.

Für die Transcodierung standen zwei Vocoder-Farmen mit jeweils vier AMBE-Vocoder-Chips zur Verfügung. Damit konnten theoretisch bis zu vier Module unabhängig voneinander in beide Richtungen transcodiert werden.

XLX421 und Transcoder-Farm im Self-Hosting, 9V1LH 2020

Als Software kamen xlxd und ambed zum Einsatz. Die gesamte Installation wurde in Singapur im Self-Hosting betrieben.

Zunächst beschränkte sich das Transcoding auf DMR und D-STAR. Im November 2019 kam C4FM als weitere Betriebsart hinzu und der XLX421 wurde als separater YSF-Reflektor registriert.

WIRES-X: Ein Raum mit Geschichte

Bereits von Beginn an, also ab Ende 2017, war unser YSF-Reflektor 54919 über die BrandMeister-DMR-Talkgroup 26429 mit dem WIRES-X-Raum 27761 DL-Nordwest verbunden. Nach einer Testphase entschied man sich jedoch, diesen Raum eigenständig weiterzubetreiben. Daher wurde für DL-Nordwest ein eigener WIRES-X-Raum mit der ID 27741 eingerichtet.

Im Laufe der Jahre wechselte dieser mehrfach seinen Namen, von DL‑BRIDGE‑XLX421 zu DL‑NORDWEST‑YSF. Als der ursprüngliche Raum 27761 im Oktober 2025 in DL‑NORDSEE umbenannt wurde, konnten wir schließlich den Ursprungsnamen DL‑NORDWEST übernehmen.

Auch die Hardware hat sich seitdem mehrfach verändert. Anfangs lief unser WIRES-X-Zugang in Singapur auf einer ASUS EeeBox. Anschließend zog der Raum zu Bernd DK5BS nach Rhauderfehn und wurde dort zunächst auf einem Notebook betrieben.

WIRES-X-Setup mit ASUS EeeBox in Singapur, 9V1LH August 2018

Heute übernimmt ein kompakter, lüfterloser Z83-V Mini-PC mit Windows 10 Pro und angeschlossenem Yaesu HRI-200-Interface diese Aufgabe.

Peanut: Ein eigener AMBE-Server

Im Februar 2019 kam auch eine Anbindung an Peanut hinzu. Auch dafür wurde ein eigener AMBE-Server in Singapur betrieben.

Zum Einsatz kamen zunächst ein Raspberry-Pi 1B mit einem DV3000 Pi-Hat von NW Digital Radio. Der darauf verbaute AMBE-Chip erledigte die eigentliche Sprachcodierung und -decodierung. Ein zusätzlicher Gehäuselüfter sorgte für die notwendige Kühlung.

Als Software diente AMBEserverGPIO von G4KLX.

Peanut-AMBE mit NW Digital Radio DV3000 Pi-Hat auf einem Raspberry Pi 1B, hier noch mit geöffnetem Gehäuse, 9V1LH 2020
Webserver: Von einer statischen Seite zu WordPress

Bereits Ende 2018 ging unsere projektbegleitende Webseite dl-nordwest.com online, zunächst noch als extern gehostete, statische Webseite. Neben Informationen zu DL-Nordwest veröffentlichten wir dort auch Neuigkeiten zum digitalen Amateurfunk und stellten Handbücher verschiedener Funkgeräte zum Download bereit.

2020 entschieden wir uns für einen kompletten Neustart auf Basis von WordPress 5 und wechselten gleichzeitig zum Self-Hosting. Der Webserver lief zunächst auf einem Raspberry Pi 3B+ mit Raspbian Buster und MariaDB in Singapur.

WordPress-Server auf einem Raspberry Pi 3B+, 9V1LH 2020

Erfahrungen aus dem Dauerbetrieb

Über die Jahre wurde die Hardware immer wieder erneuert, erweitert oder durch leistungsfähigere Systeme ersetzt. Dabei ging es nicht nur um zusätzliche Funktionen, sondern zunehmend auch um die Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb.

Mehrfach sorgten ausgefallene SD-Karten für Probleme. Deshalb stellten wir einige Systeme zunächst auf USB-Sticks um. Auch komplette Hardwareausfälle blieben nicht aus.

Insbesondere bei den AMBE-Servern experimentierten wir mit verschiedenen Mini-PCs, bevor sich geeignete Lösungen fanden. Sowohl die XLX-AMBE-Serverfarm als auch der Peanut-AMBE wechselten im Laufe der Zeit vom Raspberry Pi auf einen Mini-PC.

AMBE-Stresstest auf einem T95 Mini-PC mit Intel Cherry Trail Z8350 CPU und 4 GB RAM, 9V1LH Dezember 2020

Diese Erfahrungen gehören für uns genauso zur technischen Entwicklung wie neue Softwareversionen oder zusätzliche Betriebsarten. Vieles entstand durch Ausprobieren, Vergleichen und kontinuierliche Verbesserungen.

(v.o.n.u.) AMBE-Server, Peanut-AMBE, XLX-Transcoder-Farm und XLX421, 9V1LH 2019

2021 bis 2024: Der Weg ins Rechenzentrum

Anfang 2021 mieteten wir erstmals einen Server bei 1blu in Frankfurt an. Damit begann die schrittweise Verlagerung unserer Reflektoren und der Webseite vom privaten Self-Hosting auf gemietete Server in Deutschland.

2022 folgte ein weiterer wichtiger Schritt: Die AMBE-Server für XLX421 und Peanut zogen von Singapur zu Bernd, DK5BS, nach Rhauderfehn. Ziel war es, die Signallaufzeiten zwischen den Reflektoren und den Hardware-Transcodern zu optimieren.

XLX-AMBE auf Basis einer ASUS EeeBox, bereit für den Versand nach Rhauderfehn, 9V1LH Februar 2022
Peanut-AMBE auf Basis eines Raspberry Pi 3B+, ebenfalls bereit für den Versand nach Rhauderfehn, 9V1LH Februar 2022

Da es beim bisherigen Hosting immer wieder zu Aussetzern und anderen Problemen kam, wechselten wir 2024 zu netcup nach Nürnberg. Zunächst betrieben wir dort zwei getrennte Server: einen für WordPress und den YSF-Reflektor sowie einen weiteren für XLX421.

Nachdem der eigenständige YSF-Reflector abgeschaltet und seine Funktion vom XLX421 übernommen worden war, konnten wir die Dienste schliesslich auf einem gemeinsamen Server zusammenführen.

Gegenwart: Die Infrastruktur im Jahr 2026

Seit den ersten Raspberry-Pi-Installationen hat sich einiges verändert. Heute betreiben wir, neben den Multiprotokoll Reflektor-Servern XLX421 und URF421, verschiedene AMBE-Server und Brücken und natürlich unsere Webseite.

Ein wesentlicher Teil der Dienste läuft inzwischen auf einem virtuellen Server (VPS) mit Debian Linux. Die AMBE-Serverfarmen werden weiterhin auf separater Hardware betrieben.

Auf eine vollständige Auflistung aller Geräte, Betriebssysteme und Softwareversionen verzichten wir an dieser Stelle bewusst.

Weitere technische Details und den aktuellen Aufbau findet ihr auf unserer Technikseite unter dem Projekt DL-Nordwest.

Ein privates Projekt mit viel Engagement

Was bei der Betrachtung der Technik leicht in den Hintergrund gerät: Hinter DL‑Nordwest steht kein kommerzieller Betreiber.

Seit den Anfängen investieren wir, Bernd DK5BS und Stephan 9V1LH, privat viel Zeit und Geld in den Aufbau, die Weiterentwicklung und den laufenden Betrieb der Infrastruktur. Dazu gehören nicht nur Server und Hardware, sondern auch Hostingkosten, Ersatzteile, Wartung und die vielen Stunden, die bei technischen Problemen oder neuen Projekten anfallen.

Während Stephan sich überwiegend im Hintergrund um die Technik kümmert, ist Bernd fast täglich QRV und unterstützt unsere Nutzer bei der Einrichtung, Fehlersuche und anderen Fragen rund um den digitalen Amateurfunk.

Auch der Austausch innerhalb der Community kommt nicht zu kurz. Über unsere WhatsApp– und Telegram-Gruppen sowie die Facebook-Seite bleiben wir mit euch in Kontakt, helfen bei Problemen und tauschen Erfahrungen aus.

Die DL-Nordwest-Infrastruktur im ständigen Wandel: Netzwerkschrank in Singapur, 9V1LH März 2020

Inzwischen können wir einen Teil der laufenden Kosten durch freiwillige Spenden unserer Nutzer decken. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken! Diese Unterstützung hilft uns, DL-Nordwest auch weiterhin unabhängig und ohne kommerzielle Interessen zu betreiben.

Blick in die Zukunft: Weniger Hardware, einfachere Wartung

Auch wenn unsere heutige Infrastruktur zuverlässig arbeitet, gibt es noch einige Ideen für die Zukunft.

Aktuell befinden sich der Hauptserver und die AMBE-Serverfarmen an unterschiedlichen Standorten. Langfristig möchten wir diese Komponenten nach Möglichkeit an einem gemeinsamen Standort zusammenführen. Das würde die Wartung vereinfachen und die Zahl der getrennt zu betreuenden Systeme reduzieren. Vielleicht haben Johannes DJ7LC, und Michael DJ5KP, dafür ja noch ein Plätzchen im Serverraum der RWTH Aachen frei? 😉

Eine weitere Überlegung ist, möglichst viele Dienste auf einem einzigen Server zu betreiben. Auch eine Zusammenlegung von XLX421 und URF421 auf einem gemeinsamen System wäre denkbar.

Ob und wie sich diese Ideen umsetzen lassen, hängt natürlich von den technischen Möglichkeiten und den verfügbaren Ressourcen ab.

Fazit

Was 2017 mit einem YSF-Reflektor auf einem privaten Desktop-PC begann, hat sich über die Jahre zu einer vielseitigen Infrastruktur entwickelt. Dabei wurde immer wieder neue Hardware ausprobiert, Software angepasst und aus den Erfahrungen des Dauerbetriebs gelernt.

Nicht jede Lösung hat sich langfristig bewährt. Doch genau das macht für uns einen Teil des Reizes aus: Neue Technologien ausprobieren, Erfahrungen sammeln und die Möglichkeiten des digitalen Amateurfunks gemeinsam weiterentwickeln.

Und auch nach gut 9 Jahren gibt es hinter den Kulissen von DL-Nordwest noch einiges zu tun.

Wie lange seid ihr schon bei DL-Nordwest dabei? Habt ihr die Anfänge noch miterlebt oder seid ihr erst später dazugekommen? Schreibt eure Erinnerungen und Erfahrungen gerne in die Kommentare unter diesem Beitrag oder diskutiert sie mit uns in unserer Telegram- oder WhatsApp-Gruppe.

Team DL-Nordwest, Stephan 9V1LH/DG1BGS

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