Die HamClock ist ein weltweit verbreitetes und beliebtes Tool im Amateurfunk-Shack und zeigt in Echtzeit Zeit-, DX-, Propagations- und Satellitendaten an. Wir stellen zwei Lösungen vor, mit denen die HamClock dennoch erhalten bleiben kann.
OG HamClock by Elwood WBØOEW
Wer die originale Webseite der HamClock unter www.clearskyinstitute.com/ham/HamClock besucht, wird derzeit mit der Meldung begrüßt:
„HamClock has reached end-of-life, the last release is version 4.22. All HamClocks will cease to function in June 2026. Thank you for your interest.“
Zu Deutsch bedeutet das sinngemäß: Die HamClock hat ihr Lebensende erreicht. Die letzte Version ist 4.22, und alle HamClocks werden im Juni 2026 ihren Dienst einstellen.
Leider ist der Autor der HamClock, Elwood Downey WBØOEW, Anfang dieses Jahres verstorben. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.
Die HamClock hat über die Jahre Einzug in viele Amateurfunk-Shacks gehalten, denn sie ist – anders als der Name vermuten lässt – weit mehr als nur eine Uhr. Sie vereint zahlreiche für den Funkbetrieb relevante Informationen in einem übersichtlichen Dashboard: Weltzeit, Greyline-Darstellung, DX-Cluster-Spots, Propagationsdaten, Weltraumwetter-Informationen und sogar Satelliten-Tracking.
Einer meiner ersten Beiträge auf DL-Nordwest 2.0 aus dem Jahr 2020 befasste sich mit meinem Selbstbauprojekt zur HamClock. 2025 berichteten wir erneut darüber, welche Neuerungen seitdem hinzugekommen sind. Wer unsere damaligen Beiträge noch einmal nachlesen möchte, findet sie hier:
Dass die HamClock ihren Dienst einstellen wird, hängt damit zusammen, dass sie ab Juni 2026 nicht mehr mit den erforderlichen Online-Daten versorgt wird, da der Server, von dem diese Informationen bezogen werden, abgeschaltet wird.
Dank der großartigen Amateurfunkgemeinschaft bedeutet dies jedoch nicht zwangsläufig das endgültige Aus für die HamClock. Im Folgenden stellen wir euch zwei würdige Alternativen vor, mit denen die HamClock weiterleben kann.
Open HamClock Backend (OHB) – Gemeinschaftsprojekt

Das Open HamClock Backend (OHB) ist ein gemeinschaftliches Open-Source-Projekt mit einem klaren Ziel: Die HamClock auch über Juni 2026 hinaus funktionsfähig zu halten. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um ein offizielles Nachfolgeprojekt des ursprünglichen Entwicklers Elwood Downey WB0ØEW, sondern um eine Initiative aus der Amateurfunk-Community heraus.
Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: OHB ersetzt den bisherigen zentralen Server der HamClock durch eine neue, offene Backend-Lösung. Da der ursprüngliche Server abgeschaltet wird, fehlen der HamClock sonst die notwendigen Online-Daten – etwa zu Weltraumwetter, Solarflux, Aurora, DX-Informationen oder Satelliten. Genau hier setzt OHB an und stellt diese Daten wieder bereit.
Dabei orientiert sich das Projekt konsequent am Original: Das Backend liefert die Informationen in genau dem Format, das die bestehende HamClock erwartet. Für den Anwender bedeutet das im Idealfall eine sogenannte „Drop-in-Replacement“-Lösung – also weiterverwenden wie bisher, nur mit neuem Datenlieferanten im Hintergrund.
Besonders bemerkenswert ist der Community-Gedanke: Entwickler und Funkamateure arbeiten gemeinsam an der Weiterentwicklung, tauschen sich über Discord aus, testen Funktionen und verbessern das System Schritt für Schritt. Das Projekt steht unter der MIT-Lizenz und ist damit offen zugänglich und frei nutzbar.
OHB kann sowohl lokal – beispielsweise auf einem Raspberry Pi im eigenen Shack – als auch zentral auf einem Server betrieben werden. Unterstützt werden unter anderem Ubuntu, Debian, Raspberry Pi-Systeme und sogar macOS. Damit bleibt die Lösung flexibel und für viele Anwender realisierbar.
Auch wenn sich das Projekt noch in Entwicklung befindet, sind bereits zahlreiche Funktionen umgesetzt und erfolgreich getestet – von Wetter- und Wolkenkarten über DRAP- und MUF-RT-Darstellungen bis hin zu VOACAP-Berechnungen, PSK-Reporter, WSPR-Daten und Contest-Kalendern.
Mehr Informationen zum Gemeinschaftsprojekt „Open HamClock Backend“ findet ihr in der Facebook-Gruppe „HamClock Heaven“. Sämtliche Quellen sind unter folgendem Link verfügbar: github.com/BrianWilkinsFL/open-hamclock-backend
OpenHamClock by Chris KØCJH – das moderne HamClock-Dashboard im Browser

Mit der OpenHamClock von Chris, K0CJH, steht eine moderne, vollständig browserbasierte Alternative zur Verfügung. Sie versteht sich als „Real-Time Amateur Radio Dashboard for the Modern Operator“ – und genau das ist sie auch: ein zentrales Bedien- und Informationspanel für den gesamten Funkbetrieb.
Die OpenHamClock vereint DX-Cluster-Spots, PSKReporter-Daten, POTA-Aktivitäten, Satelliten-Tracking, Bandbedingungen, Propagationsvorhersagen, Weltraumwetter, Contest-Termine, DXpeditionen, Wetterdaten und vieles mehr in einer einzigen Oberfläche. Alles läuft im Browser – ganz ohne spezielle Client-Software und plattformunabhängig.
OpenHamClock im Browser
Wer die OpenHamClock direkt ausprobieren möchte, findet eine öffentlich erreichbare Instanz unter openhamclock.com.
Beim erstmaligen Aufruf werdet ihr von einem Einstellungsmenü begrüßt. Dort tragt ihr zunächst euer Rufzeichen sowie euren Locator ein – und schon kann es losgehen.
Alle weiteren Anpassungen könnt ihr jederzeit im selben Menü vornehmen. Es öffnet sich durch einen Klick auf euer Rufzeichen in der Kopfzeile.
Individuelle Konfigurierbarkeit
Die Oberfläche lässt sich flexibel an die eigenen Vorlieben anpassen: Module können ein- oder ausgeblendet, Layout und Design (Themes) gewählt und die Anzeige auf den eigenen Standort sowie den gewünschten Funkbetrieb zugeschnitten werden. So entsteht ein persönliches Dashboard für das heimische Shack.
Das Einstellungsmenü gliedert sich in vier Tabs: Station, Map Layers, Satellites und Profiles. Im Folgenden beziehen wir uns auf die Version 15.3.3.

Station
Im Tab „Station“ nehmt ihr die grundlegenden Einstellungen vor. Neben eurem Rufzeichen und Locator könnt ihr hier zwischen verschiedenen Themes wählen – von modernem Dark Mode über ein helles Design bis hin zum Retro-Theme, das optisch an Windows 95 erinnert.
Darunter lassen sich unterschiedliche Layout-Optionen auswählen, die lokale Zeitzone festlegen sowie die Einheiten von imperial auf metrisch umstellen. Auch die Sprache kann hier bequem auf Deutsch geändert werden.
Im mittleren Bereich definiert ihr eure bevorzugten Betriebsarten, die verwendete Sendeleistung sowie die Quelle für DX-Cluster-Spots. Diese Angaben fliessen in die Berechnung und Analyse der Ausbreitungsbedingungen zwischen eurer Station und der jeweils ausgewählten DX-Station ein.
Tipp: Bei älteren PCs oder Geräten mit wenig Arbeitsspeicher lässt sich in diesem Tab der Performance Mode auf „Low Memory“ reduzieren – das sorgt für einen ressourcenschonenderen Betrieb.
Map Layers
Im Tab „Map Layers“ legt ihr fest, welche zusätzlichen Informationen auf der Weltkarte eingeblendet werden sollen – beispielsweise Aurora-Overlay, Wetterradar oder weitere Layer. Zudem lässt sich hier die Transparenz der jeweiligen Ebenen anpassen, sodass die Karte trotz vieler Informationen übersichtlich bleibt.
Satellites
Wer im Satellitenfunk aktiv ist, kann unter „Satellites“ auswählen, welche Amateurfunksatelliten verfolgt und auf der Karte dargestellt werden sollen. So behaltet ihr die aktuellen Positionen und Umlaufbahnen stets im Blick und könnt gezielt planen.
Profiles
Im Bereich „Profiles“ lassen sich unterschiedliche Konfigurationsprofile anlegen. Das ist besonders praktisch, wenn ihr die OpenHamClock beispielsweise im Contest-Betrieb nutzt und dafür nur bestimmte Bänder beobachten oder nicht benötigte Module ausblenden möchtet. Anschließend könnt ihr jederzeit wieder zu eurem Standardprofil zurückkehren.
Zusätzlich lassen sich eure Einstellungen als JSON-Datei exportieren und auf einem Datenträger speichern. So ist die OpenHamClock auch auf einem anderen System im Handumdrehen mit euren gewohnten Einstellungen einsatzbereit.

Tipp: Die Darstellung der Karte lässt sich oben links direkt im Hauptfenster umschalten.
Ich betreibe meine OpenHamClock im Dark-Theme und im Tablet-Modus. Auch wenn ich aktuell nicht auf Kurzwelle aktiv bin, nutze ich sie gern als kompaktes Informations-Dashboard.
Besonders interessant für mich sind das Wetterradar sowie die Anzeige aktueller Erdbeben und Gewitteraktivität. Zusätzlich lasse ich mir die Position der ISS auf der Karte anzeigen.
OpenHamClock lokal betreiben
Wer unabhängig sein möchte, kann die OpenHamClock auch selbst hosten – lokal im Heimnetz, auf einem Raspberry Pi oder auf einem eigenen Server (z. B. per Docker). Die Installation erfolgt dabei über Node.js und ist mit wenigen Befehlen erledigt. Für Raspberry-Pi-Anwender gibt es sogar ein komfortables Einzeilen-Setup – ideal für einen dedizierten Shack-Monitor im Kiosk-Modus.
Mehr Informationen zum Self-Hosting sowie eine ausführliche Installationsanleitung findet ihr unter: github.com/accius/openhamclock
Weiterführende Informationen und Video-Tutorials
Hier findet ihr ein ausführliches Video-Tutorial von Arthur DL2ART auf seinem YouTube-Kanal „Funkwelle“.
Eine Beschreibung der OpenHamClock gibt es außerdem auf Michaels DL2YMR YouTube-Kanal.
Fazit
Wer die klassische HamClock weiter betreiben oder sich intensiver mit dem Original beschäftigen möchte und nicht davor zurückschreckt, sie selbst unter Linux – etwa auf einem Single Board Computer wie dem Raspberry Pi – zu installieren, findet im Open HamClock Backend (OHB) eine passende Lösung.
Wer hingegen ohne Linux-Kenntnisse und plattformunabhängig in den Genuss der HamClock kommen möchte, wird mit der OpenHamClock von K0CJH ebenfalls fündig. Diese lässt sich bequem nutzen, bei Bedarf aber auch auf einem eigenen Server hosten.
Ich persönlich finde es großartig, dass die HamClock auf diese Weise weiterlebt. Für mich ist sie längst ein fester Bestandteil meines Amateurfunk-Shacks geworden. Und es wäre sicher auch in Elwoods Sinne gewesen, wenn seine HamClock noch möglichst lange – vielleicht sogar für immer – weitertickt.
Läuft bei euch auch eine HamClock im Shack – und habt ihr eine oder sogar beide der vorgestellten Alternativen schon getestet? Schreibt eure Erfahrungen gerne in die Kommentare unter diesem Beitrag oder diskutiert sie mit uns in unserer Telegram- oder WhatsApp-Gruppe.
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